Innerer BH bei Bruststraffung und Brustvergrößerung – Was steckt wirklich dahinter?

In diesem Blog erfahren Sie mehr über moderne Operationstechniken, aktuelle Entwicklungen und häufige Fragen der ästhetischen Brustchirurgie. Als Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie teile ich hier mein Wissen und meine Erfahrungen – verständlich, praxisnah und wissenschaftlich fundiert.
Möglichkeiten der inneren Stabilisierung der Brust
Bei einer Bruststraffung oder Brustvergrößerung stehen dem Plastischen Chirurgen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, das Brustgewebe zusätzlich zu stabilisieren. Welche Technik gewählt wird, hängt von der individuellen Anatomie, der Gewebequalität sowie dem Operationsziel ab. Im Zusammenhang mit diesen Verfahren fällt häufig der Begriff „Innerer BH“. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch weder um einen geschützten noch um einen medizinisch eindeutig definierten Fachbegriff. Genau deshalb wird diese Bezeichnung heute häufig unterschiedlich – und teilweise auch irreführend – verwendet. Nicht selten werden bereits spezielle Nahttechniken oder die Umverteilung des körpereigenen Brustgewebes als „Innerer BH“ bezeichnet, obwohl dabei kein zusätzliches gewebestützendes Material eingesetzt wird. In diesem Artikel verwende ich den Begriff „Innerer BH“ bewusst ausschließlich für Verfahren, bei denen ein zusätzliches gewebestützendes Material eingesetzt wird. Spezielle Nahttechniken oder die Verwendung körpereigenen Gewebes sind bewährte Methoden der inneren Stabilisierung, stellen für mich jedoch keinen „Inneren BH“ im eigentlichen Sinne dar. Grundsätzlich lassen sich drei Formen der inneren Stabilisierung unterscheiden:
Aus meiner Sicht und Erfahrung
Aus meiner Sicht und Erfahrung liegt der entscheidende Unterschied darin, dass innere Nahttechniken oder die Verwendung körpereigenen Gewebes ausschließlich die bereits vorhandenen Strukturen der Brust nutzen. Genau diese Strukturen haben jedoch häufig im Laufe der Zeit an Festigkeit verloren und letztlich zur Brusterschlaffung beigetragen.
Bioresorbierbare Stützmaterialien wie GalaFLEX® verfolgen einen anderen Ansatz. Sie dienen während der entscheidenden Heilungsphase als zusätzliche innere Stütze und werden anschließend schrittweise durch körpereigenes Kollagen ersetzt. Dadurch kann das Gewebe genau dort zusätzlich unterstützt werden, wo das natürliche Bindegewebe allein häufig an seine Grenzen stößt.
Gerade bei Patientinnen mit schwächerem Bindegewebe, dünner Haut, größeren oder schwereren Brüsten, größeren Implantaten oder nach vorangegangenen Brustoperationen kann diese zusätzliche Stabilisierung dazu beitragen, ein langfristig stabiles Ergebnis zu unterstützen.
Trotzdem gilt auch hier: Nicht jede Patientin benötigt ein bioresorbierbares Stützmaterial. Ob und welche Technik sinnvoll ist, hängt immer von der individuellen Anatomie, der Gewebequalität und den persönlichen Behandlungszielen ab und sollte im Rahmen einer ausführlichen Beratung gemeinsam entschieden werden.
GalaFLEX® – Das bekannteste bioresorbierbare Stützmaterial
Unter den bioresorbierbaren Stützmaterialien zählt GalaFLEX® heute zu den bekanntesten und wissenschaftlich am besten untersuchten Produkten. Deshalb wird der Begriff „Innerer BH" im Internet häufig direkt mit GalaFLEX® gleichgesetzt – obwohl es lediglich eine von mehreren Möglichkeiten der inneren Gewebeunterstützung ist.

Im Gegensatz zu einem permanenten Kunststoffnetz besteht GalaFLEX® aus Poly-4-Hydroxybutyrat (P4HB), einem vollständig bioresorbierbaren Material. Nach der Operation dient es zunächst als temporäres Stützgerüst, das das Gewebe während der entscheidenden Heilungsphase stabilisiert.
In den folgenden Monaten wächst körpereigenes Gewebe in diese Struktur ein. Während sich neues Kollagen bildet und das Gewebe zunehmend an Stabilität gewinnt, wird das Material schrittweise vom Körper abgebaut. Am Ende bleibt kein dauerhaftes Implantat zurück – die stützende Funktion übernimmt das neu gebildete körpereigene Bindegewebe.
Man kann sich GalaFLEX® daher weniger als dauerhaftes Netz vorstellen, sondern vielmehr als temporäres Gerüst, das dem Körper Zeit gibt, eine stabilere, körpereigene Gewebestruktur aufzubauen.
Zeitleiste
Operation
0–6 Monate — Temporäre Stabilisierung durch GalaFLEX®
6–18 Monate — Einwachsen von neuem Kollagen, schrittweiser Abbau des Materials
18–24 Monate — GalaFLEX® ist resorbiert; das neu gebildete körpereigene Gewebe übernimmt die Stabilisierung
Gut zu wissen
GalaFLEX® ist kein dauerhaftes Kunststoffnetz. Das Material wird vollständig vom Körper abgebaut und durch körpereigenes Kollagen ersetzt. Genau dieser Unterschied macht bioresorbierbare Stützmaterialien zu einer interessanten Option für ausgewählte Patientinnen.
Wann kann ein Innerer BH sinnvoll sein?
Ein „Innerer BH" ist keine Standardlösung, die bei jeder Brustoperation zum Einsatz kommen sollte. Ob eine zusätzliche innere Gewebeunterstützung sinnvoll ist, hängt immer von der individuellen Anatomie, der Gewebequalität und dem gewünschten Langzeitergebnis ab.
Aus meiner Sicht und Erfahrung kann ein bioresorbierbares Stützmaterial in vielen Situationen hilfreich sein – insbesondere in folgenden Fällen:
Bruststraffung (Mastopexie)
Vor allem bei mittelgradiger bis ausgeprägter Brusterschlaffung, größeren Brüsten oder eingeschränkter Gewebequalität kann eine zusätzliche innere Stabilisierung das Gewebe während der Heilungsphase besser unterstützen.
Bruststraffung mit Brustvergrößerung
Die Kombination aus Bruststraffung und Implantaten stellt höhere Anforderungen an das Gewebe. Besonders bei größeren Implantaten oder weniger belastbarem Gewebe kann ein bioresorbierbares Stützmaterial von Vorteil sein – gegebenenfalls auch in Kombination mit leichteren Implantaten.
Implantatwechsel
Nach vielen Jahren oder mehreren Brustoperationen ist das Gewebe häufig dünner und weniger belastbar. In ausgewählten Fällen kann eine zusätzliche Gewebeunterstützung dazu beitragen, die neue Implantatlage langfristig zu stabilisieren.
Revisionseingriffe
Auch bei Korrektureingriffen – etwa nach erneutem Absinken der Brust oder bei komplexeren Ausgangssituationen – kann ein bioresorbierbares Stützmaterial eine sinnvolle Ergänzung sein.
Patientinnen mit eingeschränkter Gewebequalität
Unabhängig vom eigentlichen Eingriff kann eine zusätzliche innere Unterstützung vor allem dann hilfreich sein, wenn das Bindegewebe bereits deutlich an Festigkeit verloren hat und langfristig weniger Stabilität zu erwarten ist.
Letztlich gibt es jedoch keine allgemeingültige Empfehlung. Jede Brust ist anatomisch unterschiedlich, und jede Patientin bringt individuelle Voraussetzungen mit. Deshalb entscheide ich gemeinsam mit meinen Patientinnen nach einer ausführlichen Untersuchung, ob ein „Innerer BH" sinnvoll ist und welche Technik im jeweiligen Fall die besten Voraussetzungen für ein langfristig stabiles Ergebnis bietet.
Häufige Fragen & Irrtümer zum „Inneren BH“
Jede Bruststraffung benötigt eine innere Stabilisierung der Brust. Diese kann durch spezielle Nahttechniken, körpereigenes Gewebe oder – in vielen Fällen – durch einen „Inneren BH" mit einem bioresorbierbaren Stützmaterial erfolgen.
Aus meiner Erfahrung profitieren vor allem eine mittelgradige bis ausgeprägte Brusterschlaffung, eine Bruststraffung in Kombination mit einer Brustvergrößerung, größeres oder schwereres Brustgewebe sowie eine eingeschränkte Gewebequalität von der zusätzlichen Unterstützung durch einen „Inneren BH".
Ja. Für den „Inneren BH" verwende ich ausschließlich GalaFLEX®. Es gehört zu den wissenschaftlich am besten untersuchten bioresorbierbaren Stützmaterialien und wird im Laufe der Zeit vollständig vom Körper abgebaut. Permanente Netze setze ich aufgrund ihrer möglichen langfristigen Nachteile in meiner Praxis nicht ein.
Nein. GalaFLEX® besteht aus Poly-4-Hydroxybutyrat (P4HB), einem vollständig bioresorbierbaren Material. In den ersten Monaten übernimmt es die innere Stabilisierung des Gewebes. Nach etwa sechs Monaten beginnt der schrittweise Abbau, während gleichzeitig neues körpereigenes Kollagen entsteht. Nach etwa 18 bis 24 Monaten ist das Material vollständig resorbiert, und die neu gebildete körpereigene Gewebestruktur übernimmt die Stützfunktion.
Kein Operationsverfahren kann den natürlichen Alterungsprozess vollständig aufhalten. Ein „Innerer BH" mit GalaFLEX® kann jedoch dazu beitragen, die Brust langfristig besser zu stabilisieren und die Haltbarkeit des Ergebnisses zu unterstützen.
Ja. Besonders bei einer kombinierten Bruststraffung mit Brustvergrößerung, größeren Implantaten, Implantatwechseln oder eingeschränkter Gewebequalität kann ein „Innerer BH" die langfristige Stabilität zusätzlich unterstützen.
Nein. Die Grundlage eines langfristig schönen Ergebnisses bleibt immer eine präzise Operationsplanung und eine sorgfältige chirurgische Technik. Ein „Innerer BH" kann diese sinnvoll ergänzen, niemals aber ersetzen.
Für den Einsatz eines „Inneren BHs" mit GalaFLEX® entstehen zusätzliche Materialkosten. Ob ein bioresorbierbares Stützmaterial in Ihrem Fall sinnvoll ist und welche Mehrkosten damit verbunden sind, besprechen wir transparent im persönlichen Beratungsgespräch. In geeigneten Fällen kann ein „Innerer BH" dazu beitragen, die Brust langfristig zu stabilisieren und so die Dauerhaftigkeit des Ergebnisses zu unterstützen.